Mein Kampf mit der Menstruationstasse

Aktualisiert: März 29

Kurz vor der Mittagspause spüre ich, wie sie wieder überschwappt. Ich rede mir ein, dass es Einbildung ist. Die Menstruationstasse kann doch nicht schon wieder voll sein? Ich gehe auf die Toilette, wo ich einer weiteren blutigen Niederlage entgegentrete – die Slipeinlage ist dunkelrot, die Menstruationstasse übervoll. Ich nenne es Niederlage, weil sich mit dem Aufkommen der Menstruationstasse endlich eine ökologische Alternative zu Tampons und Binden bot. Seit meiner Matura versuche ich Schritt für Schritt meinen Lebensstil zu ändern, um möglichst nachhaltig und gewissenhaft leben zu können. Zuerst wurde ich Vegetarierin, vor zwei Jahren nahm ich mir vor, nur noch Second Hand-Kleidung zu kaufen, seit einem Jahr verzichte ich auf das Fliegen und es befindet sich nur noch Pflanzenmilch im Kühlschrank. Die Menstruationstasse würde also super in diesen Prozess passen, nur leider passt sie nicht in meine Vagina. Dieses Passungsproblem konnte ich weder durch das Ausprobieren verschiedener Modelle noch durch fleissiges Üben lösen. Die Unterhosen waren jedes Mal verblutet, weil die Tasse entweder nicht richtig sass oder weil sie, wie oben beschrieben, übergelaufen ist. Beim ersten Modell dachte ich mir, dass die Tasse das Problem ist, weil schlechte Qualität. Nachdem ich dann aber das zweite Modell ebenfalls mehrere Zyklen lang erfolglos verwendet hatte, gab ich schon fast auf. Das einzige, was mich dazu veranlasste diesen Beitrag zu schreiben, war der überquellende Eimer im Bad sowie einzelne Freundinnen, welche die Menstruationstasse feiern.

Ich surfe also im Internet und stosse neben Artikel, Beiträgen und Websites auf eine Youtuberin, die einen Selbstversuch machte. Sie erklärt, auf was es ankommt: Festigkeit, Grösse und Position. Umso stärker die Beckenbodenmuskulatur ist, desto fester sollte die Tasse sein. Da ich momentan ein relativ weiches Modell habe und dieses nicht funktioniert, gehe ich davon aus, dass ich als nächstes ein härteres testen sollte. Bei den beiden bisherigen Modellen habe ich die kleinere Grösse genutzt, da ich noch nicht entbunden habe. Die grösseren Tassen können jedoch auch genutzt werden, falls besonders viel Blut ausgeschieden wird. Um die Länge der Tasse zu bestimmen, soll während der Menstruation gemessen werden (mit dem Finger oder bei dem Arzt/der Ärztin), wie weit sich der Muttermund absenkt beziehungsweise wie lang die Vagina ist. Ist die Tasse nämlich zu lang, berührt sie oben den Muttermund, was ebenfalls bewirkt, dass das Blut nicht richtig aufgefangen wird. Deshalb sollte die Tasse auch nicht zu weit eingeführt werden. Anscheinend funktioniert sie besser, wenn sie tief sitzt.

Alle diese Informationen im Hinterkopf, wird mir langsam klar, dass es nicht die eine Tasse gibt, die passt oder nicht, sondern dass ein breites und vielfältiges Angebot besteht. Ich muss mich also (noch) nicht einer völligen Niederlage hingeben, sondern einfach weitere Modelle testen. Vielleicht haben meine Freundinnen, die auf ihre Tasse schwören, einen Glückstreffer gelandet und die für sie ideale Form auf Anhieb gefunden. Ich bin zuversichtlich, dass auch ich irgendwo in den Weiten des Menstruationstassen-Universiums mein Modell finden werde.

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