Über Selbstbefriedigung

Aktualisiert: Okt 8


Bildquelle: Unsplash / Sharon McCutcheon


Wir von das da unten freuen uns über mitwirkende Gastautor*innen! Mit dem Blog möchten wir eine Platform bieten, auf der persönliche Erlebnisse, Gedanken sowie Ideen ausgetauscht werden. Es kann gut sein, dass wir von das da unten nicht immer der gleichen Meinung, wie unsere Gastautor*innen sind. Solange die Inhalte jedoch nicht diskriminierend sind oder problematische Anregungen schaffen, begrüssen wir einen offenen Diskurs.

Wir, 5 Frauen um die 30, Freundinnen seit einigen Jahren. Selbständig. Erfolgreich. Aufgeklärt. Emanzipiert. In festen Beziehungen. Wir alle kennen unsere Körper sehr genau und wissen, was wir wollen. Denke ich. An einem Freitagabend bei ein paar Drinks jedoch erreicht unser Gespräch plötzlich eine unangenehme Ebene, als ich das Thema Masturbation anschneide und mit einer Selbstverständlichkeit davon ausgehe, dass wir das alle tun. Für mich war immer klar, dass Selbstbefriedigung ein Teil der Selbsterkundung darstellt und völlig natürlich ist. Ich werde jedoch überrascht. Zwei in unserer Gruppe haben sich noch niemals selbst befriedigt.

Es liegt mir fern hier jemanden von irgendwas überzeugen zu wollen, was sich für sie nicht richtig anfühlt. Jede*r von uns geht anders mit seinem/ihrem Körper um. Jedoch ist meine ganz persönliche Meinung, dass es wichtig ist, dass wir unsere Körper kennenlernen. In Gesprächen mit Männern* und Frauen* hatte ich immer wieder das Gefühl, dass Männer* sehr offen mit dem Thema Masturbation umgehen, während Frauen* zögern auszusprechen, dass man auch mit sich alleine guten Sex haben kann. Für mich hat das unter anderem auch etwas damit zu tun, dass den Mädchen* von klein auf gesagt wird, sie sollen sich nicht an ihr Geschlechtsteil fassen – das gehöre sich nicht. Dass kleine Jungs* ständig mit ihren Penissen spielen, ist aber sehr oft überhaupt kein Thema.

Ein Argument für die Entbehrlichkeit von Masturbation in unserer Diskussionsrunde war, dass wir uns doch in Beziehungen befinden. Und in funktionierenden Beziehungen sei Selbstbefriedigung schlichtweg nicht nötig. Dem kann und möchte ich keineswegs zustimmen. Mein Freund und ich sind seit 12 Jahren ein Paar. In unserem Alter eine kleine Ewigkeit. Klar, die Quantität des Sex ist heute tiefer als sie noch vor 6 Jahren in der Blüte unserer 20er war. Wir messen jedoch eine funktionierende Beziehung nicht nur an der Anzahl Sexualakte pro Monat. Ich wage hier zu behaupten, dass wir eine gesunde und funktionierende Beziehung haben. Und trotzdem: Wir beide geniessen es, uns selbst zu befriedigen. Alleine, aber auch im Beisein des Anderen. Es kann unglaublich lustvoll sein, der anderen Person dabei zuzuschauen, wie sie sich in andere Sphären katapultiert. Ausserdem erlauben wir uns in Gedanken auch mal etwas auszuprobieren, was der oder die andere eher nicht möchte. Gleichgeschlechtlicher Sex? Kein Problem! Experimentieren mit Bondage? In der Phantasie super easy! Ein Dreier? Wieso nicht.

Wir können auch viel voneinander und von uns selbst lernen. Durch Selbstbefriedigung entdecken wir – genauso wie beim gemeinsamen Sex – immer wieder neue erogene Zonen. Dadurch, dass wir unsere eigenen Körper sehr genau kennen und genau wissen was es benötigt, um uns zum Höhepunkt zu bringen, empfinde ich unser Sexleben als sehr erfüllend. In meinen Augen trägt das viel dazu bei, dass man sich mit seiner eigenen Sexualität wohl fühlt und ein gesundes Selbstvertrauen aufbauen kann.

Neben den erwähnten sexuellen Aspekten hat Selbstbefriedigung in meinen Augen aber auch noch einen aufklärenden Hintergrund. Bereits Kinder fassen sich selber an und erkunden ihren Körper. Veränderungen, wie zum Beispiel während der Pubertät, werden so wahrgenommen und eingeordnet. Aber auch als erwachsene Frau* kann ich mein Körpergefühl stärken, indem ich mir bewusst bin, wie sich mein Körper an gewissen Stellen anfühlt und wie er auf Berührungen reagiert. Nicht zuletzt kann ich so auch Veränderungen wahrnehmen, die möglicherweise nicht positiv sind – wie zum Beispiel einen Knoten in der Brust.

Für mich hat Selbstbefriedigung also einerseits eine aufklärende Seite und andererseits hilft es uns auch selbstbewusst mit unserer Sexualität umzugehen. Ganz zu schweigen davon, dass ein bisschen Selbstliebe nach einem stressigen Tag extrem entspannend wirken kann.

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